
Orient-Express: Geschichte, echte Preise und die LuxuszĂŒge der Welt
Kein Zug der Welt trĂ€gt so viel Legende auf den Schienen wie der Orient-Express. Seit 1883 steht der Name fĂŒr die Idee, dass die Reise selbst das Ziel sein kann â fĂŒr Mahagoni und Messing, fĂŒr Diplomaten, Spione und einen weltberĂŒhmten Kriminalroman. Die gute Nachricht: Es gibt ihn noch. Der Venice Simplon-Orient-Express fĂ€hrt bis heute mit Originalwagen aus den 1920er-Jahren durch Europa, und gleich zwei Konzerne investieren gerade Millionen in neue ZĂŒge unter altem Namen. Dieser Guide erklĂ€rt die Geschichte, nennt die echten Preise und Routen von heute â und zeigt, welche LuxuszĂŒge weltweit das gleiche GefĂŒhl auf die Schiene bringen.
Die kurze Antwort vorweg: Eine Nacht im Venice Simplon-Orient-Express von Paris nach Venedig kostet ab rund 4.000 Euro pro Person, die legendĂ€re Fahrt nach Istanbul ab etwa 21.000 Euro. Wer das Erlebnis Luxuszug fĂŒr einen Bruchteil testen will, findet am Ende dieses Guides eine ehrliche Alternative in der Schweiz.
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Der Mythos: Vom Express d'Orient zu Agatha Christie
Die Geschichte beginnt mit einem belgischen Unternehmer: Georges Nagelmackers, GrĂŒnder der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL), hatte in Amerika die Schlafwagen von Pullman gesehen und wollte Europa etwas Besseres bauen. Im Juni 1883 rollte sein âExpress d'Orientâ erstmals von Paris gen Osten, ab 1888 durchgehend bis Konstantinopel â rund 80 Stunden fĂŒr eine Strecke, die vorher Wochen dauerte. An Bord: Schlafabteile mit Seidentapeten, ein Speisewagen mit weiĂem Tischtuch und ein Publikum aus Adel, Diplomatie und Geldadel. Der Orient-Express war nie einfach ein Zug, er war die erste Luxusmarke des Reisens.
Zum Weltmythos machte ihn ausgerechnet ein Verbrechen, das nie stattfand: Agatha Christie, selbst mehrfach Stammgast auf der Strecke, lieĂ 1934 in âMord im Orient-Expressâ ihren Detektiv Hercule Poirot in einem eingeschneiten Waggon ermitteln. Der Roman und seine Verfilmungen â von Sidney Lumets Starbesetzung 1974 bis Kenneth Branagh 2017 â haben das Bild vom Zug tiefer geprĂ€gt als jeder Fahrplan. Die reale Verbindung verblasste dagegen: 1977 fuhr der letzte durchgehende Zug von Paris nach Istanbul, im Dezember 2009 verschwand der Name ganz aus den europĂ€ischen KursbĂŒchern. Das Kapitel Linienzug war beendet â das Kapitel Legende fing gerade erst an.
Der Venice Simplon-Orient-Express heute: Routen, Preise, Erlebnis
Dass man den Mythos wieder buchen kann, liegt am amerikanischen Unternehmer James Sherwood, der ab 1977 originale CIWL-Wagen aufkaufte und aufwendig restaurierte. Seit 1982 verkehrt der Venice Simplon-Orient-Express (kurz VSOE), heute Teil der LVMH-Tochter Belmond â kein Museumszug, sondern ein rollendes Grandhotel aus Art-dĂ©co-Wagen der 1920er- und 1930er-Jahre. Gefahren wird von MĂ€rz bis November, Kernstrecke ist die Nacht zwischen Paris und Venedig; dazu kommen saisonale Routen etwa nach Wien, Prag, Budapest oder an die AmalfikĂŒste. Der Start ab London lĂ€uft ĂŒber den Schwesterzug British Pullman beziehungsweise den Eurostar mit Umstieg in Paris.
Das GlanzstĂŒck des Fahrplans bleibt die Fahrt von Paris nach Istanbul auf den Spuren des Originals: fĂŒnf Reisetage ĂŒber Budapest und Bukarest, angeboten nur an einer Handvoll Terminen pro Jahr â und regelmĂ€Ăig ĂŒber ein Jahr im Voraus ausgebucht.
| Kategorie / Route | Dauer | Preis ab (p. P.) | Das Wichtigste |
|---|---|---|---|
| Historic Cabin, ParisâVenedig | 1 Nacht | ca. 4.000â4.500 ⏠| Originalabteil mit Waschbecken, WC am Wagenende, tagsĂŒber Salon, nachts Bett |
| Suite | 1 Nacht | ca. 7.000 ⏠| eigenes Bad, mehr Platz, Champagner inklusive |
| Grand Suite | 1 Nacht | ca. 10.000â14.000 ⏠| nur sechs an Bord, eigenes Marmorbad, Butler, freie Bar |
| ParisâIstanbul | 5 Reisetage | ca. 21.000 ⏠| einmal jĂ€hrlich je Richtung, inkl. HotelnĂ€chte und AusflĂŒge unterwegs |
Stand: Saison 2026, Umrechnung aus Pfund-Listenpreisen. Preise schwanken je nach Termin und Buchungslage.
Im Preis stecken alle Mahlzeiten â viergĂ€ngiges Abendessen, FrĂŒhstĂŒck am Platz, dreigĂ€ngiger Lunch â, dazu der persönliche Steward, der das Abteil tagsĂŒber zum Salon und abends zum Schlafwagen umbaut. GetrĂ€nke jenseits des Empfangs-Champagners kosten in den unteren Kategorien extra. Und eine Ehrlichkeit gehört dazu: In den Historic Cabins gibt es kein eigenes Bad, nur ein Waschbecken hinter Mahagoni-TĂŒren â geduscht wird gar nicht, das WC liegt am Ende des Wagens. Wer 1920er-Wagen bucht, bekommt 1920er-Komfort, bewusst und mit Stil. Genau das ist der Punkt: Der VSOE verkauft keine Beförderung, sondern eine Zeitreise mit Klavierbar, Dresscode und Gala-Dinner bei Tempo 100.
Zwei Namen, zwei Anbieter: Belmond und das Accor-Revival
Verwirrung komplett vermeiden lĂ€sst sich nicht: âOrient Expressâ als Marke gehört heute dem französischen Hotelkonzern Accor, wĂ€hrend Belmond nur seinen historischen Zugnamen Venice Simplon-Orient-Express weiterfĂŒhren darf. Accor baut die Marke gerade groĂ aus. Seit April 2025 fĂ€hrt der âLa Dolce Vita Orient Expressâ durch Italien: neue ZĂŒge im Sechziger-Jahre-Glamour des MailĂ€nder Dimorestudio, MenĂŒs von Drei-Sterne-Koch Heinz Beck, acht Routen ab Rom zwischen Venedig, Portofino, Matera und Sizilien. Eine Nacht kostet ab etwa 3.500 Euro pro Person, Zwei-NĂ€chte-Routen liegen bei 6.500 bis 9.500 Euro â und fĂŒr 2026 ist eine spektakulĂ€re Fahrt von Rom nach Istanbul angekĂŒndigt.
Parallel restauriert Accor siebzehn Originalwagen des einstigen Nostalgie-Istanbul-Orient-Express, die als Sensationsfund wiederentdeckt wurden. Dieser âechteâ neue Orient Express wurde mehrfach verschoben und soll nach aktuellem Stand 2027 Premiere feiern. FĂŒr Reisende heiĂt das schlicht: Der Mythos hat wieder Konkurrenz um sich selbst â und wer heute buchen will, fĂ€hrt Belmond in Europa oder La Dolce Vita in Italien.
Die schönsten LuxuszĂŒge der Welt
Der Orient-Express hat das Genre erfunden, aber lĂ€ngst nicht mehr fĂŒr sich allein. Auf vier Kontinenten fahren ZĂŒge, die eher Grandhotels als Verkehrsmitteln gleichen â jeder mit eigenem Charakter:
| Zug | Region | Route (typisch) | Preis ab (p. P.) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Venice Simplon-Orient-Express | Europa | ParisâVenedig, 1 Nacht | ca. 4.000 ⏠| Original-Art-dĂ©co-Wagen, der Klassiker schlechthin |
| La Dolce Vita Orient Express | Italien | ab Rom, 1â2 NĂ€chte | ca. 3.500 ⏠| Sechziger-Jahre-Design, MenĂŒs von Heinz Beck |
| Royal Scotsman (Belmond) | Schottland | Highlands ab Edinburgh, 2 NÀchte | ca. 5.500 ⏠| Landhaus auf Schienen, Whisky-Destillerien, alle GetrÀnke inklusive |
| Rovos Rail âPride of Africaâ | SĂŒdafrika | PretoriaâKapstadt, 3 NĂ€chte | ca. 2.000 ⏠| viel Zug fĂŒrs Geld: Suiten, offene Aussichtsplattform, Safari-Stopps |
| Eastern & Oriental Express (Belmond) | SĂŒdostasien | SingapurâMalaysia, 3 NĂ€chte | ca. 4.000 ⏠| Dschungel und Teakholz, seit 2024 mit neuen Routen zurĂŒck |
| Maharajas' Express | Indien | Rajasthan ab Delhi, 3â6 NĂ€chte | ca. 5.500 ⏠| PalĂ€ste, Taj Mahal und Tiger-Safaris in einem Fahrplan |
| Glacier Express Excellence Class | Schweiz | ZermattâSt. Moritz, 1 Tag | ca. 870 ⏠| Panoramafenster, 5-GĂ€nge-MenĂŒ, Concierge â der erreichbarste Einstieg |
Preise: gĂŒnstigste Kabinenkategorie, Stand 2026, teils aus FremdwĂ€hrungen umgerechnet.
Ehrlich eingeordnet: FĂŒr wen lohnt sich das?
So klar wie beim Blick auf einen Messestand voller Superyachten gilt auch hier: Man zahlt fĂŒr das Erlebnis, nicht fĂŒr die Strecke. Ein Flug von Paris nach Venedig kostet ein FĂŒnfzigstel. Die Nacht im VSOE lohnt sich fĂŒr Menschen, die genau diese eine Reise wollen â zum runden Geburtstag, zur Hochzeitsreise, zum Jahrestag. Es ist kein Verkehrsmittel mit Aufpreis, sondern eine BĂŒhne, auf der man selbst mitspielt: umziehen zum Dinner, Klavierbar bis Mitternacht, aufwachen in den Alpen.
- Das volle Original: ParisâVenedig im VSOE ist die dichteste Form des Mythos â eine Nacht, ab rund 4.000 Euro. Die Istanbul-Fahrt ist das SammlerstĂŒck fĂŒr Menschen, bei denen Geld keine Rolle spielt.
- Der kluge Kompromiss: Rovos Rail liefert fĂŒr rund 2.000 Euro drei NĂ€chte Luxuszug samt AusflĂŒgen â gemessen am Gebotenen der vielleicht ehrlichste Preis der Branche.
- Der erreichbare Einstieg: Die Excellence Class des Glacier Express kostet mit 1.-Klasse-Ticket rund 870 Euro â acht Stunden Alpenpanorama, garantierter Fensterplatz, 5-GĂ€nge-MenĂŒ, Weinbegleitung. Kein Schlafwagen, aber das GefĂŒhl. Nur frĂŒh buchen: Die 20 Sitze pro Zug sind oft eine Saison im Voraus vergeben.
Stil an Bord: Was in die Reisetasche gehört
Der Orient-Express ist einer der letzten Orte, an denen ein Dresscode kein Ărgernis ist, sondern Teil des VergnĂŒgens. TagsĂŒber genĂŒgt gehobene Freizeitkleidung â Jeans und Sneaker sind unerwĂŒnscht â, zum Abendessen gilt fĂŒr Herren mindestens Anzug und Krawatte, ausdrĂŒcklich willkommen ist Black Tie samt Manschettenknöpfen; Damen tragen Cocktail- oder Abendkleid. Praktisch wichtig: GroĂe Koffer verschwinden im GepĂ€ckwagen, ins Abteil kommt nur HandgepĂ€ck â eine weiche Reisetasche aus Leder ist hier buchstĂ€blich die richtige GröĂe, der Koffer wartet am Zielbahnhof. Und wer die Ankunft in Venedig stilecht feiern will, weiĂ, dass zum Erlebnis ein guter Champagner gehört â an Bord serviert, zuhause zur Not selbst sabriert.
HĂ€ufige Fragen
Gibt es den Orient-Express noch?
Ja, in neuer Form. Der historische Linienzug wurde 1977 (ParisâIstanbul) beziehungsweise 2009 endgĂŒltig eingestellt. Seit 1982 fĂ€hrt der private Venice Simplon-Orient-Express von Belmond mit restaurierten Originalwagen der 1920er-Jahre â dazu kommt seit 2025 der La Dolce Vita Orient Express von Accor in Italien.
Was kostet eine Fahrt mit dem Orient-Express?
Die klassische Nacht von Paris nach Venedig kostet ab rund 4.000 Euro pro Person in der Historic Cabin, Suiten ab etwa 7.000 Euro, die sechs Grand Suites 10.000 bis 14.000 Euro. Die mehrtĂ€gige Fahrt ParisâIstanbul beginnt bei rund 21.000 Euro pro Person. Alle Mahlzeiten sind enthalten.
Welche Route fÀhrt der Orient-Express heute?
Kernstrecke ist ParisâVenedig ĂŒber die Alpen, buchbar von MĂ€rz bis November, ab London mit Zubringer. Dazu kommen saisonale Routen nach Wien, Prag, Budapest und an die AmalfikĂŒste sowie einmal jĂ€hrlich die groĂe Fahrt ParisâIstanbul ĂŒber Budapest und Bukarest.
Welcher Dresscode gilt an Bord?
TagsĂŒber elegante Freizeitkleidung, Jeans und Turnschuhe sind nicht gern gesehen. Zum Abendessen tragen Herren mindestens Anzug mit Krawatte, empfohlen wird Smoking; Damen Cocktail- oder Abendkleid. Die Erfahrung zeigt: Wer sich festlicher kleidet, fĂŒhlt sich an Bord richtiger.
Wie lange dauert die Fahrt von Paris nach Venedig?
Rund 24 Stunden mit einer Nacht an Bord: Abfahrt am Nachmittag in Paris, Gala-Dinner, Nacht im Schlafabteil, FrĂŒhstĂŒck vor Alpenkulisse und Ankunft in Venedig am frĂŒhen Abend des Folgetags.
Was ist der Unterschied zwischen Belmond und dem Accor Orient Express?
Belmond betreibt den Venice Simplon-Orient-Express mit historischen Wagen â das ist der Zug, den die meisten meinen. Die Markenrechte am Namen âOrient Expressâ hĂ€lt jedoch Accor: Der Konzern fĂ€hrt seit 2025 den La Dolce Vita Orient Express in Italien und lĂ€sst fĂŒr 2027 siebzehn Originalwagen als komplett neuen Orient Express aufarbeiten.
Unsere Empfehlung
Der Orient-Express ist das seltene Luxusgut, das man nicht besitzen kann, sondern nur erleben â vielleicht macht genau das seinen Reiz aus. Wer den Mythos einmal fahren will, bucht die Nacht ParisâVenedig frĂŒh und in der Kategorie, die zum Budget passt; wer erst testen will, ob Luxus auf Schienen sein Format ist, beginnt mit der Excellence Class durch die Alpen. Und wem Erlebnisse dieser Klasse generell Freude machen: Unsere Ăbersicht der Luxusmessen zeigt, wo sich die Welt des Besonderen trifft â von der Monaco Yacht Show bis zu den Schiffen, ĂŒber die wir im Beitrag zur teuersten Yacht der Welt schreiben. Der Zug bleibt trotzdem einzigartig: Nirgendwo sonst reist man erster Klasse durch das Jahr 1928.
ReisegepÀck mit Stil
Die richtige Tasche fĂŒr das Abteil
In den Schlafwagen kommt nur HandgepĂ€ck â eine weiche Reisetasche aus Leder ist die Eintrittskarte in die Welt des stilvollen Reisens.
Zur Reisetaschen-Auswahl