
Goodwood Festival of Speed: PS-Kultur, Stil und das gröĂte Gartenfest der Motorwelt
Einmal im Jahr wird der Park eines englischen Landsitzes zum Mittelpunkt der Automobilwelt. Das Goodwood Festival of Speed in West Sussex ist dabei weder Messe noch Grand Prix noch Museum â es ist von allem das Beste: ein Volksfest mit echtem Rennbetrieb, ein Concours d'ElĂ©gance auf dem Rasen und eine BĂŒhne, auf der Hersteller ihre Neuheiten lieber zeigen als auf mancher Automesse. Dieser Guide erklĂ€rt, was das Festival so besonders macht, welche SchauplĂ€tze Sie kennen sollten und wie sich ein Besuch praktisch planen lĂ€sst.
Die Eckdaten vorweg: Seit 1993 lĂ€dt der Duke of Richmond auf sein Familienanwesen Goodwood House, rund 100 Kilometer sĂŒdlich von London. Ăber 200.000 Besucher kommen an den vier Festivaltagen, gefahren wird auf einem 1,86 Kilometer langen Hillclimb direkt vor dem Herrenhaus. Die Ausgabe 2026 lĂ€uft vom 9. bis 12. Juli unter dem Motto âThe Rivalsâ â gefeiert werden die groĂen Duelle der Motorsport-Geschichte, von James Hunt gegen Niki Lauda 1976 bis Ford gegen Ferrari in Le Mans 1966.
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Was das Goodwood Festival of Speed einzigartig macht
Die Geschichte beginnt mit einer Notlösung. Charles Gordon-Lennox, damals Earl of March und heute Duke of Richmond, wollte den Motorsport zurĂŒck nach Goodwood holen â doch fĂŒr Rennen auf dem historischen Goodwood Motor Circuit fehlte die Genehmigung. Also verlegte er das Spektakel 1993 kurzerhand in den eigenen Garten. Statt der erhofften paar Tausend kamen zur Premiere 25.000 Menschen, und aus dem Experiment wurde das gröĂte Motorsport-Gartenfest der Welt.
Der eigentliche Zauber liegt in der NĂ€he. Ein hermetisch abgeriegeltes Fahrerlager gibt es nicht: Formel-1-Weltmeister schlendern durchs Publikum, Vorkriegs-Rennwagen werden warmgefahren statt hinter Kordeln poliert, und wer mag, steht am Zaun, wenn ein Klassiker im Wert eines Stadthauses mit Vollgas den HĂŒgel hinaufgejagt wird. Dazu kommt eine Mischung, die kein anderes Event bietet: Rennsport aller Epochen, ein hochkarĂ€tiger Concours, Weltpremieren aktueller Modelle und eine Auktionsgeschichte, in der Weltrekorde fielen â alles an einem Wochenende, alles auf einem Anwesen.
Die BĂŒhnen des Festivals im Ăberblick
Das GelÀnde ist weitlÀufig, und wer zum ersten Mal kommt, verlÀuft sich leicht im Programm. Diese sechs SchauplÀtze sollten Sie einordnen können:
| BĂŒhne | Was dort passiert | Höhepunkt 2026 |
|---|---|---|
| Hillclimb | 1,86-km-Bergsprint vor Goodwood House, alle Epochen | Duell-LĂ€ufe zum Motto âThe Rivalsâ |
| Central Feature | monumentale Skulptur des KĂŒnstlers Gerry Judah | Hommage an Singer mit drei Fahrzeugen in der Skulptur |
| Cartier Style et Luxe | Concours d'Elégance mit rund 40 Fahrzeugen | sieben Klassen, u. a. 30 Jahre Koenigsegg |
| Supercar-Paddock | aktuelle Super- und Hypersportwagen zum Anfassen | Neuvorstellungen, u. a. EinzelstĂŒck Rolls-Royce Phantom Regatta |
| Auktion (Bonhams|Cars) | Versteigerungen mit Rekordgeschichte | Charity-Auktion; groĂe Sammlerauktion im September |
| FOS Future Lab | Technik von morgen: Raumfahrt, KI, Robotik | Partner wie ESA und IBM, Botschafter Tim Peake |
Stand: Ausgabe 2026 (9.â12. Juli). Das Programm wechselt jĂ€hrlich, die BĂŒhnen selbst sind feste GröĂen des Festivals.
Der Hillclimb â 1,86 Kilometer GĂ€nsehaut
Die Bergrennstrecke ist das Herz des Festivals: 1,86 Kilometer, neun Kurven, gut 90 Höhenmeter, Start direkt vor Goodwood House, vorbei an der berĂŒchtigten Mauer aus Feuerstein. Hier fahren Vorkriegs-Bentleys, Rallye-Legenden und aktuelle Formel-1-Autos dieselbe Strecke â nacheinander, den ganzen Tag. Den Allzeitrekord hĂ€lt seit 2022 der elektrische McMurtry SpĂ©irling mit unwirklichen 39,08 Sekunden; zuvor hatte der Volkswagen ID.R 2019 die zwanzig Jahre alte Bestmarke von Nick Heidfelds McLaren gebrochen. Am Sonntag kĂŒrt das âShootoutâ die schnellste Zeit des Wochenendes.
Cartier Style et Luxe â der Concours auf dem Rasen
WĂ€hrend am HĂŒgel die Motoren brĂŒllen, geht es auf dem Rasen sĂŒdwestlich des Hauses um pure Schönheit. Der Cartier Style et Luxe ist ein Concours d'ElĂ©gance mit rund 40 Fahrzeugen in sieben Klassen â 2026 unter anderem mit maĂgefertigten Mercedes-Klassikern und einer eigenen Klasse zu 30 Jahren Koenigsegg. Eine Jury aus Designern, Architekten und Prominenten kĂŒrt den âBest of Showâ, und der spielt anschlieĂend in einer Liga mit den Siegern von Pebble Beach und der Villa d'Este. Es ist der stillste, eleganteste Winkel des Festivals â und fĂŒr viele Kenner der eigentliche Grund zu kommen.
Die Auktion â wo Auktionsgeschichte geschrieben wurde
Seit ĂŒber 30 Jahren ist das Auktionshaus Bonhams|Cars Partner in Goodwood, und die Versteigerungen am Rande des Festivals haben mehrfach Geschichte geschrieben: 2013 kam hier Juan Manuel Fangios Mercedes-Benz W 196 fĂŒr 19,6 Millionen Pfund unter den Hammer â damals das teuerste jemals versteigerte Auto der Welt. Wie die Rekorde seither weitergewandert sind, bis zum 135-Millionen-Mercedes, lesen Sie in unserem Ratgeber zum teuersten Auto der Welt. Eine Besonderheit 2026: Die groĂe Sammlerauktion bĂŒndelt Bonhams diesmal beim Revival Sale am 19. September; auf dem Festival selbst lĂ€uft stattdessen eine charmante WohltĂ€tigkeits-Auktion mit Modellautos berĂŒhmter RekordverkĂ€ufe.
Der Stil-Kosmos von Goodwood
Goodwood ist genauso ein Stil-Ereignis wie ein PS-Ereignis â und das ist kein Zufall. Motorsport und Uhrmacherei sind seit jeher verwandt: Der Chronograph war das Werkzeug der Rennfahrer und Boxenmauer-Teams, lange bevor er zum Statussymbol wurde, und bis heute treten UhrenhĂ€user wie Cartier oder Rolex in Goodwood als Partner auf. Nirgendwo sonst sieht man an einem Wochenende so viele mechanische Chronographen an Handgelenken. Warum Sammler fĂŒr seltene Exemplare Millionen zahlen, erklĂ€rt unser Ratgeber zur teuersten Uhr der Welt.
Der zweite Pfeiler ist die englische Picknick-Kultur. Das Festival ist im Kern eine Gartenparty: Familien breiten Decken am Streckenrand aus, aus Körben kommen Sandwiches, Erdbeeren und gut gekĂŒhlter Champagner, und zwischen zwei LĂ€ufen wird auf dem Rasen gedöst. Einen strengen Dresscode wie beim Schwester-Event, dem Goodwood Revival, gibt es nicht â der ungeschriebene Stil ist gepflegt-lĂ€ssig: Leinenhemd, Panamahut, Wildlederschuhe. Wer im Rennoverall-Merchandise kommt, fĂ€llt mehr auf als der Herr im Sommeranzug.
Reise-Praxis: Anreise, Tickets, beste Zeit
- Anreise: Goodwood liegt bei Chichester in West Sussex, rund 100 Kilometer sĂŒdlich von London. Mit dem Zug ab London Victoria nach Chichester (etwa 90 Minuten), von dort Shuttlebusse zum GelĂ€nde. NĂ€chstgelegene FlughĂ€fen: Gatwick, Heathrow und Southampton.
- Tickets: Es gibt ausschlieĂlich Vorverkauf, keine Tageskasse. Tagestickets kosten je nach Tag grob 60 bis 100 Pfund, Kinder bis zwölf Jahre sind in Begleitung frei. FrĂŒh buchen ist Pflicht â die Ausgabe 2026 war vor Festivalbeginn ausverkauft.
- Beste Zeit: Donnerstag und Freitag sind spĂŒrbar entspannter und ideal zum Schauen und Fotografieren. Der Samstag ist der vollste Tag, der Sonntag bringt mit dem Shootout den sportlichen Höhepunkt.
- Ăbernachten: Chichester ist frĂŒh ausgebucht und teuer; Alternativen sind Portsmouth, Brighton oder ein Campingplatz rund ums Anwesen â viele Besucher machen aus dem Festival ein komplettes Landpartie-Wochenende.
Der Goodwood-Stil fĂŒrs echte Leben
Die gute Nachricht: FĂŒr das LebensgefĂŒhl von Goodwood braucht es weder Ticket noch Klassiker in der Garage. Ein mechanischer Chronograph mit Racing-Erbe bringt die Rennstrecke ans Handgelenk â in unserer Auswahl an Luxusuhren finden Sie den Einstieg, klassisch sortiert bei den Herrenuhren; eine hochwertige Uhrenbox schĂŒtzt die Sammlung so sorgfĂ€ltig wie eine Garage den Klassiker.
Auch der Rest des Goodwood-Looks lĂ€sst sich ĂŒbersetzen: eine hochwertige Lederjacke im Fahrer-Stil, eine elegante Reisetasche fĂŒr das Wochenende auf dem Land, eine klassische Sonnenbrille gegen die Sommersonne am Streckenrand â und fĂŒr das Picknick nach englischem Vorbild ein guter Champagner. Wer beim Thema Traumwagen ernst macht, findet in unserem Bereich Luxusautos die passende Anlaufstelle.
HĂ€ufige Fragen
Wann findet das Goodwood Festival of Speed statt?
Jedes Jahr an einem Wochenende Ende Juni oder Anfang Juli, von Donnerstag bis Sonntag. Die Ausgabe 2026 lĂ€uft vom 9. bis 12. Juli unter dem Motto âThe Rivalsâ.
Wo findet das Festival statt?
Auf dem Anwesen von Goodwood House bei Chichester in West Sussex, SĂŒdengland â rund 100 Kilometer sĂŒdlich von London. Gefahren wird auf der Zufahrt des Herrenhauses, die fĂŒr vier Tage zur Bergrennstrecke wird.
Was kostet der Eintritt?
Tagestickets kosten je nach Wochentag grob 60 bis 100 Pfund, Kinder bis zwölf Jahre sind in Begleitung frei. Es gibt nur Vorverkauf und keine Tageskasse â das Festival ist regelmĂ€Ăig lange im Voraus ausverkauft.
Was ist der Hillclimb?
Ein 1,86 Kilometer langer Bergsprint mit neun Kurven direkt vor Goodwood House. Vom Vorkriegs-Rennwagen bis zum aktuellen Formel-1-Auto fÀhrt hier alles dieselbe Strecke; den Rekord hÀlt der elektrische McMurtry Spéirling mit 39,08 Sekunden aus dem Jahr 2022.
Was ist der Unterschied zwischen Festival of Speed und Goodwood Revival?
Das Festival of Speed im Juli feiert den Motorsport aller Epochen inklusive aktueller Neuheiten im Park von Goodwood House. Das Goodwood Revival im September (2026: 18.â20. September) ist eine reine Zeitreise: historischer Rennsport auf dem Goodwood Motor Circuit, bei der das Publikum in Kleidung der 1940er- bis 1960er-Jahre erscheint.
Lohnt sich das Festival auch ohne Motorsport-Tiefenwissen?
Ja â gerade dann. Goodwood ist mehr Gartenfest als Rennveranstaltung: Concours, Picknick, FlugvorfĂŒhrungen und die NĂ€he zu Autos und Fahrern funktionieren auch ohne Statistikwissen. Viele Besucher kommen als Familie und sehen den Rennsport als Kulisse.
Unsere Empfehlung
Das Goodwood Festival of Speed ist der seltene Fall, in dem ein Superlativ stimmt: Nirgendwo sonst kommen PS-Kultur, britische Eleganz und echte NĂ€he so selbstverstĂ€ndlich zusammen. Wer einmal im Juli nach West Sussex reist, versteht, warum Hersteller, Sammler und 200.000 Besucher jedes Jahr wiederkommen. Und bis dahin lĂ€sst sich das LebensgefĂŒhl gut vorwegnehmen â mit einem Chronographen am Handgelenk und einem Picknick, das eines englischen Rasens wĂŒrdig wĂ€re.
Racing-Erbe fĂŒrs Handgelenk
Der Chronograph â das Werkzeug der Rennfahrer
Mechanische Uhren mit Motorsport-Genen bringen Goodwood-GefĂŒhl in den Alltag.
Uhren mit Racing-Erbe