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Privatjet: Was Mieten und Kaufen wirklich kosten – vom Empty Leg bis zum Gulfstream G700

Privatjet: Was Mieten und Kaufen wirklich kosten – vom Empty Leg bis zum Gulfstream G700

Kaum ein Statussymbol wird so oft gegoogelt und so selten verstanden wie der Privatjet. Die einen fragen nach dem Kaufpreis eines Gulfstream, die meisten wollen aber etwas viel Praktischeres wissen: Was kostet es, einen Privatjet zu mieten – fĂŒr die GeschĂ€ftsreise nach Nizza oder das Wochenende auf Sylt? Dieser Guide beantwortet beides ehrlich: die Charterpreise pro Flugstunde fĂŒr jede Jet-Klasse, die Kaufpreise von der Cessna Citation bis zum Ultra-Long-Range-Flaggschiff, die Betriebskosten, die kein VerkĂ€ufer gern vorrechnet – und den Geheimtipp Empty-Leg-Flug, mit dem Privatjet-Fliegen plötzlich erstaunlich erreichbar wird.

Die kurze Antwort vorweg: Einen kleinen Privatjet mieten Sie ab etwa 2.800 Euro pro Flugstunde, große Langstreckenjets kosten 10.000 Euro und mehr. Ein eigener Jet beginnt neu bei rund 5 Millionen US-Dollar (Cessna Citation M2), das Flaggschiff Gulfstream G700 liegt bei rund 80 Millionen – und die jĂ€hrlichen Betriebskosten fressen selbst dann ein Vermögen, wenn die Maschine nur im Hangar steht.

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Privatjet mieten: Was die Flugstunde wirklich kostet

Der mit Abstand hĂ€ufigste Weg in einen Privatjet ist der Charterflug: Sie mieten das komplette Flugzeug samt Crew fĂŒr eine Strecke, abgerechnet wird im Kern nach Flugstunden. Die Preise hĂ€ngen fast vollstĂ€ndig von der GrĂ¶ĂŸenklasse ab – vom viersitzigen Very Light Jet bis zur interkontinentalen Gulfstream liegt ein Faktor fĂŒnf dazwischen.

KlasseTypische ModellePassagiereReichweite (ca.)Preis pro Flugstunde (ab)
TurbopropPilatus PC-12, King Air 2504–82.500 kmca. 1.800–2.500 â‚Ź
Very Light JetCitation Mustang, Phenom 10042.000 kmca. 2.800–3.500 â‚Ź
Light JetCitation M2/CJ2, Phenom 3006–83.000–3.700 kmca. 3.000–4.500 â‚Ź
Midsize JetCitation XLS, Praetor 5008–93.700–5.500 kmca. 3.900–7.500 â‚Ź
Super-MidsizeChallenger 3500, Praetor 6008–106.000–7.400 kmca. 6.000–9.000 â‚Ź
Heavy / Ultra Long RangeGlobal 7500, Gulfstream G650/G700, Falcon 8X10–1610.000–14.000 kmca. 8.500–15.000 â‚Ź

MarktĂŒbliche Ab-Preise pro Flugstunde, Stand 2026. Endpreise hĂ€ngen von Strecke, Termin und VerfĂŒgbarkeit ab.

Wichtig fĂŒr die Kalkulation: Die Flugstunde ist nur der Sockel. Dazu kommen LandegebĂŒhren, Handling am Flughafen, Positionierungskosten der Maschine, Catering und je nach Markt TreibstoffzuschlĂ€ge – in Summe schnell 25 bis 40 Prozent auf den nackten Stundenpreis. Ein realistisches Beispiel: Ein einfacher Flug von Berlin nach Nizza (rund zwei Flugstunden) im Light Jet kostet komplett meist 9.000 bis 13.000 Euro. Geteilt durch sechs Passagiere relativiert sich das – bleibt aber ein Vielfaches der First Class im Linienflug, die auf vielen Strecken die ehrlichere Antwort auf den Wunsch nach Komfort ist.

Empty-Leg-FlĂŒge: Der Geheimtipp fĂŒr den kleinen Preis

Der am besten gehĂŒtete offene Geheimtipp der Branche sind Empty Legs – LeerflĂŒge. Bringt ein Charterjet seine GĂ€ste von MĂŒnchen nach Mallorca, muss er anschließend zurĂŒck zur Basis oder weiter zum nĂ€chsten Kunden – oft leer. Diese PositionierungsflĂŒge verkaufen Broker mit NachlĂ€ssen von 30 bis 75 Prozent auf den regulĂ€ren Charterpreis. Ein Light-Jet-Flug, der normal 10.000 Euro kostet, ist als Empty Leg teils fĂŒr 3.000 bis 5.000 Euro zu haben.

Der Haken ist die Logik der Sache: Strecke und Zeitfenster stehen fest, nicht Sie bestimmen den Flugplan, sondern der zahlende Erstkunde. Verschiebt der seine Reise, verschiebt sich – oder platzt – auch Ihr Empty Leg, meist gegen Erstattung, aber ohne Ersatzanspruch. Empty Legs sind deshalb nichts fĂŒr den Termin beim Notar, aber perfekt fĂŒr alle, die flexibel sind und das Erlebnis Privatjet einmal zum Bruchteil des Preises wollen. Die großen Broker fĂŒhren öffentlich einsehbare Empty-Leg-Listen, gerade auf beliebten Routen wie Deutschland–Balearen oder Deutschland–CĂŽte d'Azur.

Was kostet ein Privatjet? Kaufpreise von der Citation bis zum G700

Wer vom Mieten zum Besitzen wechselt, betritt eine andere Preiswelt. Neue GeschĂ€ftsreisejets beginnen bei rund 5 Millionen US-Dollar und enden jenseits der 80 Millionen – vor Innenausbau nach Kundenwunsch. Der Gebrauchtmarkt ist groß und liquide: Gut gewartete Jets fliegen problemlos 30 Jahre, entsprechend beginnt das Einstiegssegment gebraucht deutlich unter den Listenpreisen.

ModellKlassePassagiereNeupreis (Liste, ca.)Gebraucht ab (ca.)
Cessna Citation M2 Gen2/Gen3Light Jet6–75–7 Mio. $4 Mio. $
Embraer Phenom 300ELight Jet8–1011 Mio. $6 Mio. $
Bombardier Challenger 3500Super-Midsize1027 Mio. $–
Gulfstream G700Ultra Long Rangebis 1980 Mio. $–
Bombardier Global 8000Ultra Long Rangebis 1978 Mio. $–

Listen- und Marktpreise, Stand 2026. Bei den jungen Flaggschiffen G700 und Global 8000 existiert praktisch kein Gebrauchtmarkt – wer heute bestellt, wartet Jahre auf die Auslieferung.

Interessant ist, was die Spitzenmodelle so teuer macht: Der Gulfstream G700 fliegt mit bis zu 19 Passagieren nonstop rund 14.000 Kilometer – Frankfurt–Sydney mit einem Zwischenstopp, Frankfurt–Los Angeles im Schlaf. Der Global 8000 kontert als schnellstes ziviles Flugzeug seit der Concorde. In dieser Liga ist der Jet kein Transportmittel mehr, sondern ein fliegendes Zuhause mit Schlafzimmer, Dusche und Konferenzraum.

Betriebskosten: Die ehrliche Rechnung nach dem Kauf

Der Kaufpreis ist nur die Eintrittskarte. Ein Privatjet kostet auch dann sechsstellig, wenn er keinen Meter fliegt: Zwei fest angestellte Piloten schlagen mit 300.000 bis 400.000 US-Dollar pro Jahr zu Buche, dazu kommen Hangar (ab rund 45.000 Dollar jĂ€hrlich), Versicherung, verpflichtendes Simulatortraining und laufende Wartungsprogramme. Beim Light Jet Phenom 300 summieren sich Fix- und Flugkosten bei 400 Flugstunden pro Jahr auf rund 1,6 Millionen US-Dollar jĂ€hrlich. Ein Gulfstream G650 liegt je nach Nutzung bei 2 bis 5 Millionen pro Jahr – die reine Flugstunde kostet den Eigner dort ĂŒber 6.000 Dollar.

Dazu kommt der Wertverlust von grob 5 bis 10 Prozent pro Jahr in den ersten Jahren. Die Logik kennen Sie vielleicht aus unserem Beitrag zur teuersten Yacht der Welt: Wer den Kaufpreis stemmen kann, aber nicht das laufende Budget, hat am Besitz keine Freude. Genau deshalb gehört vielen Vielfliegern kein ganzes Flugzeug – sondern ein StĂŒck davon.

Wer fliegt privat? Charter, Jet-Card, Fractional Ownership

Die Branche hat fĂŒr jedes Flugpensum ein eigenes Modell entwickelt – und die Faustregeln sind erstaunlich klar:

  • Bis etwa 25 Flugstunden pro Jahr: Ad-hoc-Charter. Sie zahlen pro Flug, binden kein Kapital und nehmen Empty Legs mit, wenn es passt.
  • 25 bis 50 Stunden: Jet-Card. Sie kaufen ein Stundenpaket bei einem Anbieter wie NetJets – die 25-Stunden-Karte auf einem Phenom 300 kostet dort ab rund 215.000 US-Dollar, also etwa 8.600 Dollar pro Stunde. DafĂŒr gibt es garantierte VerfĂŒgbarkeit und feste Preise statt Einzelangeboten.
  • 50 bis 300 Stunden: Fractional Ownership. Sie kaufen einen echten Anteil am Flugzeug – ein Sechzehntel entspricht etwa 50 Flugstunden pro Jahr und kostet beim Light Jet 500.000 bis 850.000 Dollar Einstieg, plus 12.000 bis 15.000 Dollar MonatsgebĂŒhr und rund 8.500 Dollar pro geflogener Stunde. MarktfĂŒhrer NetJets betreibt so die grĂ¶ĂŸte Privatjet-Flotte der Welt.
  • Ab etwa 300 Stunden: der eigene Jet. Erst bei diesem Pensum verteilen sich die Fixkosten auf genug Stunden, dass der Besitz rechnerisch mit dem Chartern konkurrieren kann.

Ehrlich eingeordnet heißt das auch: FĂŒr zwei Fernreisen im Jahr ist kein einziges dieser Modelle vernĂŒnftig – da liefert die First Class neunzig Prozent des Komforts fĂŒr ein Zehntel des Preises. Der Privatjet gewinnt dort, wo LinienflĂŒge versagen: DirektflĂŒge zu kleinen FlughĂ€fen, drei Termine in drei LĂ€ndern an einem Tag, absolute Diskretion.

Der teuerste Privatjet der Welt: die fliegenden PalÀste

Ganz oben in der Preisliste stehen keine GeschĂ€ftsreisejets mehr, sondern umgebaute Verkehrsflugzeuge – VIP-Airliner von Boeing Business Jets und Airbus Corporate Jets, bei denen der Innenausbau so viel kostet wie das Flugzeug selbst.

FlugzeugEigner (öffentlich berichtet)Wert (ca., SchÀtzung)Besonderheit
Boeing 747-8 VIPu. a. Joseph Lau; teuerstes Exemplar anonymbis ~367 Mio. $grĂ¶ĂŸtes Privatflugzeug der Welt, fliegender Palast auf zwei Etagen
Airbus A340-300 „Bourkhan“Alischer Usmanow350–500 Mio. $Kaufpreis ca. 238 Mio., Innenausbau soll Hunderte Millionen verschlungen haben
Boeing 747-430Sultan von Brunei~220 Mio. $legendĂ€rer Ausbau, dem Vernehmen nach mit vergoldeten Waschbecken
Boeing 757Donald Trump~100 Mio. $ (inkl. Umbau)„Trump Force One“ mit vergoldeten Gurtschlössern

Alle Werte sind unbestÀtigte SchÀtzungen aus Branchen- und Medienberichten; VertrÀge veröffentlicht niemand. Stand: 2026.

Auch hier lohnt der Faktencheck, den Superlativ-Listen gern auslassen: Der oft zum „teuersten Privatjet der Welt“ erklĂ€rte 500-Millionen-Airbus A380 von Prinz Al-Waleed bin Talal wurde zwar 2007 bestellt – aber nie ausgeliefert. Der fliegende Palast mit Konzertsaal und TĂŒrkischem Bad blieb ein Rendering, die Bestellung wurde abgegeben. Real bleiben die 747-8 VIP an der Spitze – wer sie besitzt, findet sich fast immer auch auf der Liste der reichsten Menschen der Welt.

Die CO2-Frage: kurz und ehrlich

Zum ehrlichen Bild gehört die Klimabilanz. Eine 2024 in Nature Communications erschienene Studie beziffert den direkten CO2-Ausstoß der privaten Luftfahrt auf mindestens 15,6 Millionen Tonnen im Jahr 2023 – im Schnitt 3,6 Tonnen pro Flug, große Jets stoßen rund 2 Tonnen pro Flugstunde aus. Zum Vergleich: Der CO2-Fußabdruck eines Durchschnittsdeutschen liegt bei gut 10 Tonnen im Jahr. Nachhaltiger Treibstoff (SAF) Ă€ndert daran bislang wenig – sein Anteil am europĂ€ischen Kerosinverbrauch lag 2024 bei 0,6 Prozent. Wer privat fliegt, sollte das wissen und nicht schönrechnen; die glaubwĂŒrdigste Antwort der Branche sind bislang SAF-ZukĂ€ufe und volle Auslastung statt LeerflĂŒgen – ein Argument mehr fĂŒr Empty Legs.

Privatjet-GefĂŒhl fĂŒr Ihre nĂ€chste Reise

Ein eigener Hangar bleibt den wenigsten vorbehalten – der Auftritt auf dem Vorfeld nicht. Was auf jedem Privatjet-Rollfeld auffĂ€llt: Niemand reist mit Hartschalen-Trolley in die Kabine. Das GepĂ€ckstĂŒck der Wahl ist die weiche Reisetasche aus Leder, die sich in jede GepĂ€ckklappe schmiegt, wĂ€hrend der große Koffer im Frachtraum wartet. Dazu gehören gute Noise-Cancelling-Kopfhörer, eine Kaschmirdecke fĂŒr die Kabine – und nach der Landung ein guter Champagner: An Bord der meisten Charterjets wird er ohnehin serviert, ab der Midsize-Klasse gern gut gekĂŒhlt zur BegrĂŒĂŸung.

HĂ€ufige Fragen

Was kostet ein Privatjet?

Neue GeschĂ€ftsreisejets kosten je nach GrĂ¶ĂŸe 5 bis 80 Millionen US-Dollar: Ein Light Jet wie die Cessna Citation M2 beginnt bei rund 5 Millionen, ein Embraer Phenom 300E bei 11 Millionen, das Flaggschiff Gulfstream G700 bei rund 80 Millionen. Gebraucht beginnt der Markt bei etwa 4 Millionen Dollar fĂŒr einen jĂŒngeren Light Jet.

Was kostet es, einen Privatjet zu mieten?

Je nach Klasse etwa 2.800 bis 15.000 Euro pro Flugstunde: Very Light Jets ab rund 2.800 Euro, Light Jets ab 3.000 Euro, Midsize-Jets ab etwa 4.500 Euro, große Langstreckenjets ab 8.500 Euro. Dazu kommen GebĂŒhren und ZuschlĂ€ge von 25 bis 40 Prozent – ein Flug Berlin–Nizza im Light Jet liegt komplett bei 9.000 bis 13.000 Euro.

Was sind Empty-Leg-FlĂŒge?

LeerflĂŒge, die entstehen, wenn ein Charterjet ohne GĂ€ste zur Basis oder zum nĂ€chsten Kunden fliegen muss. Broker verkaufen diese Strecken mit 30 bis 75 Prozent Rabatt. Der Preis ist unschlagbar, dafĂŒr bestimmt der Erstkunde Route und Zeitfenster – fĂ€llt sein Flug weg, entfĂ€llt auch das Empty Leg.

Welcher ist der teuerste Privatjet der Welt?

Als teuerstes Privatflugzeug gilt eine Boeing 747-8 VIP mit einem geschĂ€tzten Wert von rund 367 Millionen US-Dollar. Der oft genannte 500-Millionen-A380 von Prinz Al-Waleed wurde dagegen nie ausgeliefert. Unter den SeriengeschĂ€ftsjets fĂŒhren Gulfstream G700 und Bombardier Global 8000 mit rund 80 Millionen Dollar Listenpreis.

Ab wie vielen Flugstunden lohnt sich ein eigener Privatjet?

Als Branchenfaustregel gilt: unter 25 Stunden pro Jahr chartern, bis 50 Stunden eine Jet-Card, bis etwa 300 Stunden Fractional Ownership – erst darĂŒber rechnet sich der eigene Jet. Grund sind die Fixkosten: Crew, Hangar und Versicherung kosten auch am Boden mehrere Hunderttausend Dollar im Jahr.

Wie viele Passagiere passen in einen Privatjet?

Very Light Jets befördern 4 Passagiere, Light Jets 6 bis 8, Midsize-Jets 8 bis 9 und Ultra-Long-Range-Jets wie der Gulfstream G700 bis zu 19. Umgebaute VIP-Airliner wie ein Boeing Business Jet bieten Platz fĂŒr 25 bis 50 GĂ€ste – inklusive Schlafzimmern und Konferenzraum.

Unsere Empfehlung

Der Privatjet ist das seltene Luxusgut, bei dem der klĂŒgste Einstieg nicht der Kauf ist: Wer das Erlebnis will, bucht ein Empty Leg oder chartert gezielt die Strecke, auf der der Jet wirklich Zeit gewinnt – und fliegt sonst First Class. Wer dagegen das Reisen selbst zelebrieren möchte, findet im Orient-Express das Gegenmodell zum Jet: maximale Langsamkeit statt maximaler Geschwindigkeit, zum Preis einer guten Charter-Flugstunde. Und wer wissen will, wem die fliegenden PalĂ€ste ĂŒber uns gehören, liest weiter bei den reichsten Menschen der Welt – oder bei ihrem liebsten Zweitspielzeug, der teuersten Yacht der Welt.

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